Haltepunkte

Ein guter Engel begleitet dich

Bedeutende Glaubenstexte
aus dem alten Testament

Ein guter Engel
begleitet dich

Von einem jungen Reisenden berichtet die Bibel im Alten Testament. Tobias war der einzige Sohn seiner alten Eltern Tobit und Hanna. Sie wollen ihn ins Ausland schicken, um dort eine Geldforderung einzutreiben, mit der sie ihr Alter sichern könnten. Die Mutter weint, als der Abschied naht. Was, wenn Tobias, ihr Ein und Alles, die Reise nicht gesund übersteht? Das würde sie nicht überleben, das Schicksal der beiden Alten wäre besiegelt. Vater Tobit tröstet seine Frau, denn Tobias reist nicht allein, er hat einen geheimnisvollen Begleiter gefunden.

Im Buch Tobit, Kapitel 5, Verse 18-23, steht:
„Hanna, die Mutter des Tobias, weinte und sagte zu Tobit:
Warum hast du unseren Sohn weggeschickt? War er nicht
die Stütze unseres Alters, als er noch bei uns ein- und ausging?
Wir hätten dieses Geld gar nicht gebraucht; denn es
ist nichts, verglichen mit dem Leben unseres Sohnes. Was
uns der Herr zum Leben gegeben hat, reicht für uns.
Tobit antwortete: Mach dir keine Sorgen, Schwester, er
wird gesund zurückkommen und du wirst ihn wiedersehen.
Denn ein guter Engel begleitet ihn und seine Reise wird ein
gutes Ende nehmen; er wird sicherlich gesund heimkehren.
Da hörte sie auf zu weinen.“

„Papa, warum gehst du schon wieder?“ Die Frage meiner
Vierjährigen fuhr mir gestern Abend, als ich sie ins Bett
brachte, richtig in die Glieder. Nun ist es 5 Uhr morgens.
Sie schläft noch friedlich, aber ich muss mich auf den Weg
machen – höchste Eisenbahn! Auch meine Frau ist vor jeder
Fahrt immer in großer Sorge um mich. Schnell ein paar
Klamotten in die Tasche, die Thermosflasche, und dann ein
flüchtiger Abschiedskuss: „Tschüss, und mach‘s mal gut!“
Fünf lange Tage muss Helga nun alleine zurechtkommen.
Nur am Abend reicht die Zeit vielleicht für einen kleinen
Schwatz über Handy – mehr ist nicht drin.

Auf der Fahrt zur Spedition höre ich schon die ersten Staumeldungen von der A 8. In dieser Woche erwartet mich wieder mal eine höllische Tour durch halb Europa. Im Hof lauert schon der Vierzigtonner auf mich, voll beladen mit Maschinenteilen. Schnell die Papiere – der Disponent ist schlecht gelaunt und mahnt zur Eile. Ich fahre los. Und schon schwimme ich mit im endlosen Strom. Und jetzt beginnen die Gedanken zu kreisen: „Papa, warum gehst du schon wieder?“ Ich spüre, dass mir Tränen in die Augen steigen. Die roten Rücklichter meines Vormanns beginnen schon zu verschwimmen. Ich kann und darf nicht weinen, so sehr mir danach zumute ist. Fragen steigen in mir hoch – immer dieselben –, wenn ich auf großer Fahrt bin. Wird denn alles gut gehen mit mir, mit uns als Familie? Warum wächst mein Kind ohne Vater auf? Werden Helga und ich unsere Liebe füreinander bewahren können? Wie lange kann ich noch gesundheitlich auf dem Bock durchhalten? Tobias kam übrigens heil und unversehrt nach Hause zurück. Damit nicht genug – er brachte Sara, das Glück seines Lebens mit und – auch nicht zu verachten – ein großes Vermögen mit dazu. War natürlich auch kein Wunder, denn der geheimnisvolle Reisebegleiter entpuppte sich als der Engel Raffael. Das ist der himmlische Verkehrsspezialist. Der Segen des Vaters Tobit, den er seinem Sohn mit auf die gefährliche Reise gab, sei allen zugesprochen, die heute auf den Straßen unterwegs sind:
„Gott, der im Himmel wohnt, wird euch auf eurer Reise behüten; sein Engel möge euch begleiten.“

Paul Schobel

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